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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.2 Soziale Bewegungen vor 1945
 up 4.2.1 Die Mexikanische Revolution 1910–1917

4.2.1.1 Das Porfiriat und die Herausbildung einer Opposition

Unter General Porfirio Díaz begann sich 1876 eine dreißig Jahre währende Entwicklungsdiktatur zu etablieren. Als Grundlage der raschen wirtschaftlichen Modernisierung Mexikos vermochte Porfirio Díaz die politische Instabilität Mexikos zu beenden und regionale Machtzentren und die entsprechenden Caudillos unter Kontrolle zu bringen.

Der wirtschaftliche Aufschwung vollzog sich mittels Agrarexporten und einer von Auslandskapital getragenen Modernisierung.

Auslandsinvestitionen machten zwischen 1900 und 1910 rund 2/3 der Gesamtinvestitionen aus. Diese Investitionen flossen vornehmlich in den Aufbau eines Eisenbahnnetzes (Stichbahnen an die Küsten) und in Industrieprojekte (Bergbau, Textil, Erdöl). Während des Porfiriats und der Mexikanischen Revolution kam es zu einer schrittweisen Verdrängung europäischer Kapitalinteressen durch US-amerikanische Investitionen.

Die für den Ausbruch der Revolution wichtigste Dynamik war die enorme Landaneignung während des Porfiriats. Die forcierte Ausdehnung des Hazienda-Besitzes ließ die liberale Gesetzgebung von 1857 zur Gänze wirksam werden. Die enorme Bodenkonzentration für die exportorientierte Agrarproduktion (Zucker, Sisal, Kaffee) vollzog sich auf Kosten der indianischen Dorfgemeinden im Süden und der bäuerlichen Kleinbesitzer im Norden. Bei Ausbruch der Revolution waren über 90% der Landbewohner ohne Landbesitz. 1% der Gesamtbevölkerung verfügte zu diesem Zeitpunkt über 96% des Grund und Bodens.

Diese ihrer Lebensgrundlagen entledigten Gruppen wurden zu den Trägern der "Revolution des Südens" und der "Revolution des Nordens". Der Landhunger und die agrar-revolutionären Forderungen der Landbevölkerung verliehen der Mexikanischen Revolution ihre Heftigkeit.

Die kapitalistische Expansion während des Porfiriats vollzog sich zum Teil noch auf Grundlage nichtkapitalistischer Produktionsverhältnisse: die Haziendas verwandelten die ehemaligen Landbesitzer in peones (Schuldknechte), die durch verschiedenste rechtliche und ökonomische Mechanismen (Verschuldung) zum Verbleib auf den Haziendas gezwungen wurden.

 down 4.2.1.1.1 Die Herausbildung einer Opposition zum Porfiriat
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