Soziale Bewegungen, Aufstände, Klassenkämpfe und Revolutionen gehören zur Geschichte Lateinamerikas.
Soziale Bewegungen in diesem allgemeinen Sinne findet man in Lateinamerika von Beginn der Kolonisierung an: Indigene Erhebungen gegen die spanische Kolonialmacht, Sklavenaufstände, die Unabhängigkeitsrevolutionen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, regionale Revolten und Bauernerhebungen im 19. und 20. Jahrhundert, Mobilisierungen um und für regionale Caudillos – dies sind nur einige Beispiele für das Auftreten der "geschichtslosen" Mehrheit der lateinamerikanischen Bevölkerung. Im 20. Jahrhundert spiegelte sich die Dynamik sozialer Bewegungen in verschiedensten Phänomenen wider: In sich herausbildenden Gewerkschaften und Arbeiterparteien, in nationalistisch-populistischen Bewegungen, in Land- und Stadt-Guerillas, in Studenten-, Indígena- und Frauenbewegungen sowie in den so genannten Neuen Sozialen Bewegungen. Immer befanden sich diese sozialen Bewegungen im Spannungsfeld zwischen autonomer, auf sich selbst beschränkter Organisierung einerseits und Koalitionen mit Teilen der besitzenden Eliten andererseits. Vor allem im 20. Jahrhundert setzten sich diese Koalitionen durch die Inkorporierung von sozialen Bewegungen in Staat und Gesellschaft fort.
Eine Betrachtung dieser Bewegungen aus historischer Perspektive verlangt nach einer Antwort auf die Fragen: Was sind soziale Bewegungen? Was umfasst dieser Begriff, was fällt aus ihm heraus?
Zur Beantwortung dieser Fragen gliedert sich dieser Abschnitt in folgende Teile: |