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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 6 Entwicklungsdiktaturen in Lateinamerika
 up 6.1 Militärdiktaturen in Lateinamerika – ein Überblick

6.1.2 Civic-Action-Programme und die Counterinsurgency

Zu den Maßnahmen und Strategien, welche die Emanzipation der Militärs in Lateinamerika seit den 1960er Jahren ermöglichten, gehörten:

1.) Die Civic-Action-Programme

Diese sahen vor, dass militärische Spezialeinheiten für Entwicklungsvorhaben unterschiedlicher Art, wie z.B. Straßenbau und Alphabetisierung der Bevölkerung, eingesetzt werden. Damit sollte einerseits revolutionären Guerillagruppen der Nährboden entzogen werden. Andererseits beabsichtigte diese Strategie, die Beliebtheit des Militärs bei der Bevölkerung zu erhöhen. Daraus entstand auch ein neues Selbstverständnis unter den Militärs: Sie sahen sich nun als entwicklungspolitische Elite, was wiederum ihre Bereitschaft erhöhte, die Macht zu übernehmen.

2.) Counterinsurgency-Strategie (Revolutionsvermeidungsstrategie)

Unter dieser Strategie werden alle präventiven Maßnahmen militärischer, politischer, wirtschaftlicher und psychologischer Natur verstanden, welche ein Staat vorbeugend ergreift, um Revolutionen zu vermeiden. Dazu gehören auch die angesprochenen Civic-Action-Programme sowie politische Projekte wie die von Kennedy 1961 ausgerufene Allianz für den Fortschritt. Die USA unterstützten diese Programme in Lateinamerika gezielt durch finanzielle Zuschüsse und durch Infrastruktur. Dies sollte "kommunistischen Konspirationen" entgegenwirken.

3.) Die Doktrin nationaler Sicherheit

Diese Doktrin wurde auf allen Militärakademien des Kontinents gelehrt. Sie war unter Mitwirkung der USA entwickelt worden. In Einrichtungen wie der School of The Americas in der Panama-Kanalzone, die bis zum Jahre 1984 an die 50.000 lateinamerikanische Offiziere durchliefen, gehörte sie zum fixen Ausbildungsprogramm. Institutionen wie die brasilianische Escola Superior de Guerra bereiteten mit der Doktrin der nationalen Sicherheit die Machtübernahme der Militärs systematisch vor. Mit dieser Doktrin wurde eine umfassende äußere (Kuba, Sowjetunion) und innere Bedrohung (sozialrevolutionäre Bewegungen) angenommen, die ein Eingreifen und längerfristiges Halten der Macht erfordern würde. Jeder auf gesellschaftliche Veränderung drängende Akteur wurde undifferenziert als Agent des äußeren Feindes betrachtet. Gesellschaftspolitisch operierte die Doktrin nationaler Sicherheit mit einem ständestaatlichen Gesellschaftsbild: Der Staat als Organismus müsse hierarchisch und nach den Aufgaben seiner einzelnen Organe gegliedert werden.

In den 1980er Jahren wurde die Doktrin nationaler Sicherheit und die Counterinsurgency-Strategie durch die Doktrin der low intensity warfare fortgeführt.

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