Die CEPAL, die Comisión Económica para América Latina, wurde 1948 als UN-Kommission in Santiago de Chile gegründet. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich ihr Zuständigkeitsbereich auf die Karibik erweitert.
Ihre Aufgaben sind:
- wissenschaftliche Analyse und Beobachtung der Entwicklungsprobleme und -prozesse in den lateinamerikanischen Ländern
- Beratung von Regierungen und Ausbildungsangebote für Regierungsmitarbeiter
- Förderung der lateinamerikanischen Integration
Die CEPAL avancierte zum Zentrum der entwicklungspolitischen Diskussion in Lateinamerika. Sie vermochte unter ihrem ersten Leiter Raúl Prebisch zu einem Anziehungspunkt für junge Fachleute und Wissenschaftler zu avancieren. Sowohl die Formulierung einer eigenen Entwicklungsvorstellung, des CEPALismo, als auch die Entstehung der Dependencia-Theorie (ab Mitte der 1960er Jahre) nahmen ihren Ausgang in Santiago de Chile.
Die Theoriediskussionen und Arbeiten der CEPAL gingen von Beginn an von einem politischen Selbstverständnis aus. Die Diskussionen stellten einen emanzipatorischen Praxis-Anspruch und sollten zur Überwindung der Unterentwicklung konkrete Beiträge liefern. Wie der Historiker Walter Bernecker feststellt: In Lateinamerika waren nach 1945 Theorien entstanden, "die stets mehr und etwas anderes waren als nur ‚Theorien von Theoretikern für Theoretiker ."
(Bernecker, Walther L.: Der "Cepalismo": Eine regionale Wirtschaftstheorie und Entwicklungsstrategie. In: http://www.orient.uni-erlangen.de/kultur/papers/berneck.htm (13.01.03))
Die grundlegenden Prämissen der CEPAL können folgendermaßen umrissen werden:
- Die (strukturalistisch ausgerichteten) Wirtschaftswissenschaftler und technokratischen Modernisierer der CEPAL formulierten eine Reformstrategie. Die Überwindung der Unterentwicklung sollte im Rahmen des bestehenden kapitalistischen Weltsystems vollzogen werden können.
- Die politische Vision hinter den Arbeiten der CEPAL lautete: Es besteht ein Zusammenhang zwischen wohlfahrtsstaatlicher Entwicklung und Demokratie. Die Reformen sollten soziale Verbesserungen und wirtschaftlichen Aufschwung bringen.
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