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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 26 Die Militärdiktatur 1964-1985

26.13 Das Erbe der Diktatur

Die zivilen Organisationen waren im Gegensatz zu Argentinien nach Ende der Militärdiktatur nicht stark genug, um eine systematische Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen während der Diktatur zu fordern. Obwohl Brasilien mit umfangreicheren Amnestien schon während der Diktatur eine Ausnahme im Vergleich zu anderen Militärdiktaturen in Lateinamerika darstellte, war der Putsch von 1964 kein Gegenstand gerichtlicher Untersuchung. 1987 wurde erstmals ein höherer Offizier des Mordes an drei Oppositionellen angeklagt.

Da das Militär nach wie vor Schlüsselpositionen in den Ministerien für Armee, Luftwaffe, Geheimdienst und dem Obersten Generalstab einnimmt, da pensionierte Offiziere Spitzenpositionen der Wirtschaft besetzen und Brasilien in der Rüstungsindustrie bedeutend ist, setzten Umdenkprozesse spät ein (vgl. Heinz 1991). Im Jahr 1992 beklagte der brasilianische Schriftsteller Ignacio Loyola Brandão noch, dass die brasilianische Historiographie zwar über die Militärdiktatur schrieb, doch aussparte, was sich hinter den Fassaden abspielte. Die durch die Diktatur hervorgerufene Selbstzensur habe das revolutionäre Potential der sechziger Jahre gerade bei StudentInnen verschüttet (Brandão 1992).

Zum Thema der Zensur brasilianischer Tageszeitungen, ihrer Rolle als Sprachrohr der Militärdiktaturen und ihrer Haltung, aus vorauseilendem Gehorsam ihre Ausgaben noch vor der Kontrolle staatlicher Zensoren gleich selbst zu zensurieren, sind Publikationen entstanden, deren Ergebnisse die mediale Öffentlichkeit nicht allzu transparent machen will (vgl. Medienmanipulation, in: ILA, September 2002). Eine TV-Dokumentation des Mediengiganten "Rede Globo" thematisierte unter dem Titel "Rebellische Jahre" die Diktatur und den studentischen Widerstand Anfang der neunziger Jahre. Mitte der neunziger Jahre änderte sich die Forschungslandschaft zugunsten einer größeren Transparenz und eines besseren Zugangs zu Dokumenten. Ein bedeutender Schritt in diese Richtung wurde durch die Familie des 1996 verstorbenen Ernesto Geisel gemacht. Seinen seit dem Jahr 2000 öffentlich zugänglichen Nachlass von über 20 000 Dokumenten bewahrt die renommierte Forschungsinstitution Fundação Getulio Vargas auf (vgl. Castro/D Araujo 2002 a+b). Im Jahr 1995 wurden unter der Präsidentschaft Fernando Henrique Cardosos staatliche Entschädigungen beschlossen und 1996 an 112 Angehörige der Opfer ausbezahlt; erstmals fanden in diesem Jahr keine militärischen Feierlichkeiten zum Jahrestag des Militärputsches von 1964 statt.

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