Durch die Reglementierung von Politik und Wirtschaft blieb zunächst das kulturelle Feld als Vehikulationsmöglichkeit von Unzufriedenheit und Widerstand übrig. In den ersten Jahren der Militärdiktatur und beeinflusst durch die internationale achtundsechziger Bewegung boomten noch Musik, Kino und Theater, bis Zensur und Verbote des Jahres 1968 (unter Costa e Silva) mit der beginnenden Eskalation politischer Fronten den kulturellen Äußerungen die Kritikmöglichkeit nahmen.
1967 fand noch das Dritte Festival der Música Popular Brasileira in São Paulo statt. 1968, mit der Einführung des Institutionellen Aktes (AI-5), entschlossen sich die beiden berühmten Vertreter der von Mittelschichten sehr geschätzten Musikrichtung des Tropicalismo, Caetano Veloso und Gilberto Gil, für eine Flucht nach London, wo sie mit Vertretern der westlichen Beat- und Rock-Szene zusammenarbeiteten (vgl. Walger 1992).
Obwohl die Kreativität und die Ausdrucksmöglichkeiten der brasilianischen Theaterszene durch die Vorzensur der Texte sowie durch weitere Zensurschritte nach den Premieren ständig offiziell beschnitten, obwohl Karrieren zerstört wurden, blieb das Widerstandspotential des Theaters hoch. Es stellte eine der wichtigsten Formen zivilgesellschaftlichen Widerstandes während der Militärdiktatur dar. 1971 flüchtete auch der Theaterregisseur und -autor Augusto Boal nach Verhaftung und Folter zunächst nach Argentinien, dann ins portugiesische und schließlich ins französische Exil, wo er 1981 das Erste Internationale "Theater der Unterdrückten" (Teatro do Oprimido) gründete; 1986 kehrte er wieder nach Brasilien zurück. Die zentrale Botschaft des Theaterkonzeptes von Boal war, die Notwendigkeit gesellschaftlicher Veränderung zu vermitteln, die nur mit der Abschaffung von gesellschaftlichen Unterdrückungsstrukturen einhergehen kann (vgl. Brenneis 2003).
Zu den heftigen Kritikern der Militärregierung 1964 zählte der ehemals konservativ katholische österreichische Immigrant Otto Maria Carpeaux, der zum bedeutendsten brasilianischen Literaturkritiker avancierte. Er wurde wiederholt mit Redeverbot belegt. Im Jahr 1968 geriet das Begräbnis eines, bei einer Demonstration in Rio de Janeiro erschossenen Studenten zum Protestmarsch von über 100 000 Menschen gegen die Militärdiktatur. Der studentische Widerstand formierte sich.
In São Paulo bekämpften sich im selben Jahr Studenten der philosophischen Fakultät der Universidade de São Paulo (USP), seit ihrer Gründung im Jahre 1934 ein Hort der Liberalität und Regierungskritik, mit Studenten der rechten Universidade Mackenzie. Die USP hielt sich als Ort des Widerstandes. In geheimen Treffen las man Texte, die durch die Zensur verboten worden waren.
Der Widerstand brachte im Musiksektor die Entwicklung des brasilianischen Protestsongs hervor, der sich auch gegen die Rock and Roll-Epigonen richtete. Die Lieder des Sängers Chico Buarque, der einige Jahre bis 1971 im italienischen Exil verbrachte, wurden regelmäßig verboten. 1975 wurde die Vorzensur aller Zeitungsartikel festgelegt. Der Estado de São Paulo füllte die zensurierten Stellen mit Gedichten.
Ab 1974 (unter der Diktatur Geisel) institutionalisierte sich der studentische Widerstand. Illegale Gremien wurden organisiert, Streiks und Proteste auf den Unicampuses veranstaltet. 1976 getrauten sich die Studenten mittels eines Protestmarsches in São Paulo erstmals seit 1968 wieder auf die Straße. 1977 konstituierte sich die seit 1964 aufgelöste União Nacional de Estudantes und agierte in der Illegalität. Zur Galionsfigur des katholischen Widerstandes avancierte der Bischof von Recife, Dom Helder Câmara; 1970 prangerte er im Fußballstadion von Paris vor 10 000 Menschen die Folterungen politischer Gefangener an. Bis 1977 wurden ihm öffentliche Medienauftritte untersagt. 1985 musste er seinen Posten auf Anweisung des Vatikan verlassen (vgl. Caldeira 1999). |