1970 begann die Regierung Médici mit der Konstruktion der Transamazônica-Strasse, um den "leeren Raum" Amazonas zu erobern und damit eine Landreform zu umgehen. Die geplante 5000 km lange Trasse quer durch Brasilien (von Westen nach Osten), die das Amazonasgebiet als Besiedlungsmöglichkeit attraktiver gestalten sollte, wurde nie ganz fertiggestellt und war auch nie zur Gänze befahrbar; in den achtziger Jahren war die BR - 364 zum Teil vom Regenwald überwachsen. Circa 1200 km asphaltierte Straße im südlichen Teil Amazoniens blieb befahrbar und ist auf Satellitenaufnahmen als Schnitt durch den Amazonas deutlich erkennbar. Der Straßenbau leitete eine massive, staatlich gelenkte Binnenmigration ein.
Die "Eroberung" großer Regenwaldgebiete durch MigrantInnen, durch oftmals illegale Diamanten- und Goldsucher (garimpeiros), durch Kleinbauern und Viehfazendeiros beschleunigte die Reduktion des Waldbestandes. 80% des abgeholzten Gebietes im Staat Rondônia erfolgten nach dem Bau der Transamazônica. Das parallel zum Straßenprojekt formulierte Wachstumspol-Programm (Polamazonia) richtete die ökonomischen Interessen auf die territoriale Aufteilung der Peripherie und führte zur Errichtung zahlreicher Rinderfarmen und zur Landspekulation. Die Produktion von Holzkohle, der Bergbau, die Energiegewinnung durch hydroelektrische Großkraftwerke sind zusätzlich für die Dezimierung des tropischen Baumbestandes verantwortlich.
Die Einwohnerschaft des Staates Rondônia stieg seit den siebziger Jahren von 100 000 auf 1, 5 Millionen Menschen. Der Staat, dessen Name auf Cândido Rondon, Begründer der Indianerschutzbehörde zurückgeht, greift - obwohl viele Kleinbauern aufgrund der geringen landwirtschaftlichen Eignung des Gebietes abwanderten -, mittels illegaler Rodungen weiterhin in das fragile Ökosystem ein und gefährdet die Lebensgrundlage von indigenen Stämmen. Von den cirka 1500 Stämmen, die in Amazonien vor 500 Jahren lebten, sind heute noch über 200 (z.B. tukanos, suruí, Enawene-Nawé etc.) existent. In den durch die Transamazônica erschlossenen Gebieten spielen sich Konflikte zwischen Kleinbauern, nationalen und internationalen Unternehmen der Holzextraktion, den Sojaproduzenten und Viehfazenden ab.
1970 unterstützten die USA Brasilien technisch bei dem Projekt RADAM (Radar na Amazônica), das Radaraufnahmen im Amazonasgebiet im Umkreis der Transamazônica-Strasse machte. Brasilianer wie US-Amerikaner erhielten ausgezeichnete Informationen über Ressourcen im Amazonasgebiet. Das Programm RADAM wurde 1985 eingestellt. |