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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 26 Die Militärdiktatur 1964-1985

26.2 Geheimdienste und paramilitärische Gruppen

1964 wurde der zentrale militärische Geheimdienst (Serviço de Segurança Nacional, SNI) gegründet, dem Präsidenten unterstellt und als "Hilfsmittel zur effizienteren Ausübung der exekutiven Gewalt" in das Gesamtkonzept der "Doktrin der Nationalen Sicherheit und Entwicklung" gestellt, das bereits in der 1949 gegründeten Eliteschule des Militärs (ESG) erarbeitet worden war. Der SNI übernahm Nachrichtenbeschaffung und Gegenspionage. Zwei Leiter des SNI, João Batista Figueiredo und Emilio Médici, wurden zu Präsidenten Brasiliens gewählt. Heer, Marine und Luftwaffe entwickelten ihre eigenen Geheimdienste, auch die Abteilungen des SNI arbeiteten bis Ende der sechziger Jahre für sich. Jeder Bürger konnte ein potentieller Spitzel eines Nachrichtendienstes sein.

Mit der Eskalation der politischen Gewalt im Jahr 1968 erfolgten der Ausbau der Sicherheitsdienste und erhebliche Verschärfungen in der Gesetzgebung. Der Versammlungs- und Pressefreiheit wurde ein Ende gesetzt. Die Institutionellen Akte 14 und 15 gaben 1969 die Todesstrafe frei. 1969 und 1970 wurde ein Flugblatt verteilt, auf dem auf einer Seite die Nationalhymne abgedruckt war, auf der Rückseite ein Sicherheitskatalog mit 10 Hinweisen zur Denunziation auffälliger Mitbürger und Mitbürgerinnen. Seit 1971 konnten Inhaftierungen vorgenommen werden, ohne dass der Betroffene die Gründe seiner Verhaftung erfuhr. Zivile Polizeiformationen - wie die DOPS (später DEOPS, Abteilung für politische und soziale Ordnung) - wurden aufgebaut, genossen weite Autonomien, bewegten sich zum Teil in der Illegalität, kämpften gegeneinander und zettelten Verschwörungen an, um ihre Vorgangsweise gegen "Subversion" und Demokratisierungstendenzen zu legitimieren.

Die 1969 gegründete paramilitärische Formation von São Paulo nannte sich Operação Bandeirantes (Oban) und entlehnte ihren Namen von den Paulistaner Sklavenjägern des 17. Jahrhunderts. Ihre Finanzierung erfolgte auch durch internationale Unternehmen wie Ford und General Motors. Neben militärischen und zivilen Polizeiorganisationen agierten rechtsradikale Untergrundorganisationen. Zu Beginn der siebziger Jahre waren über 70 Organisationen der Geheimdienste im Einsatz. Um Folterungen zu verschleiern, legten die Geheimdienste ihre Opfer nicht selten auf die Strasse, um Schiessereien und einen Tod im Kampf vorzutäuschen (vgl German 1991, vgl. Caldeira 1999).

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