Brasília verkörperte den Traum des modernen, urbanen Brasiliens. Die Konstruktion der neuen Hauptstadt im Grenzgebiet zwischen Goiás und Minas Gerais durch den Urbanisten Lúcio Costa und den Stararchitekten Oscar Niemeyer hatte zunächst einheimischen Firmen Grossaufträge beschert.
Der Grundriss, der sich über städtebauliche Regeln hinwegsetzte, gleicht einem Flugzeug, dessen Rumpf eine fünf Meter lange Monumentalachse bildet. Sie mündet in den Platz der drei Gewalten (Praça dos Tres Poderes) - er vereinigt Parlament, Präsidentenpalast und das Oberste Gericht. Die Ministerien und Verwaltungsgebäude wurden von den Wohnbereichen strikt getrennt angelegt.
Die Siedlungen der durch den Bau hinzugezogenen Arbeiter wuchsen rasch zu ärmlichen Satellitenstädten heran. Das Entwicklungskonzept, durch die neue Hauptstadt das dünn besiedelte Hochland ökonomisch attraktiver zu machen, funktionierte nicht, da internationale Firmen die strategisch besser gelegenen urbanen Zentren an den Küsten vorzogen. 1960, im Jahr der Einweihung, symbolisierte der Platz der drei Gewalten ein neues, selbstbewusstes und demokratisches Brasilien, dessen Verfassung vier Jahre später durch die einsetzende Militärdiktatur wieder abgeändert wurde. |