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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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Der Bürgerkrieg als Beispiel politischer und geographischer Heterogenität

Die Macht des Militärs und divergierende politische Auffassungen (Monarchisten gegen Republikaner) kennzeichneten der Erste (Alte) Republik (1889-1930). Obwohl die Phase der Transition unblutig verlaufen war, eskalierten rivalisierende politische Vorstellungen um die Gestaltung der Republik. Man dachte an die Konzeption eines zentralistisch-autoritären Staates mit stark positivistischer Prägung oder an einen föderativ, repräsentativ-demokratisch und liberal regierten Staat, wie es die Verfassung vorgesehen hatte. Während der Präsidentschaft des Militärs Floriano Peixoto (1891-1894) brach ein Bürgerkrieg aus (1893-1895). Er nahm im südbrasilianischen Staat Rio Grande do Sul durch einen Aufstand seinen Ausgang (Revolução Federalista), den ein ehemaliger kaiserlicher Politiker vom uruguayischen Exil aus gegen den Gouverneur des Staates anführte.

Foto: Bucht von Guanabara

Anhand des Konfliktes wird die Heterogenität der politischen Vorstellungen und der sozio-geographischen Konstellationen sehr deutlich, wobei abgesehen vom Gegensatz Republikaner - Monarchisten drei Interessensgruppen unterschieden werden können: Die erste Gruppe bildeten die liberalen und föderativen republikanischen Eliten: die Plantagenbesitzer des reichen Kaffeestaates São Paulo, die positivistischen Eliten der Hauptstadt Rio de Janeiro und des Staates Minas Gerais, des führenden Produzenten von Milchprodukten. Eine zweite Gruppe bildeten die in zwei Lager gespaltenen politischen Eliten im Staat Rio Grande do Sul (die gaúchos), die ihre besondere regionale Identität und ihre kulturellen wie ökonomischen Bindungen zu Teilen Argentiniens und Uruguays hervorhoben. In Rio Grande do Sul dominierte die Viehzucht, dorthin richteten sich die ersten größeren Gruppen europäischer Einwanderer, denen die Etablierung einer autonomen Bauernschaft gelang. Die Eliten Rio Grande do Suls, in dem die republikanische Partei des Positivisten und Gouverneurs Julio de Castilhos dominierte und sich gegen eine monarchistische Opposition durchsetzte, pochten auf größere Autonomie. Eine dritte Gruppe bildete die monarchistische Marine. Der Marineminister führte die Flotte in eine Revolte gegen den Staatspräsidenten Floriano Peixoto an und blockierte von September 1893 bis März 1894 den Hafen von Rio de Janeiro. Diese Blockade scheiterte nach einem halben Jahr durch das Eingreifen der USA, die auf dem Prinzip der Freiheit der Schifffahrt bestanden. Floriano Peixoto ließ den Aufstand der Opposition in Rio Grande do Sul gegen Castilhos niederschlagen und wurde zum "Retter der Republik" stilisiert, gleichzeitig jedoch aufgrund seines autokratischen Führungsstils als "eiserner Marschall" bezeichnet. Der Bürgerkrieg endete schließlich unter der Präsidentschaft des Paulistas Prudente José de Morais (1894-1898) im Jahr 1895 mit der Entscheidung für die Verfassung von 1891. Er leitete auch eine Phase ziviler Präsidenten ein, die bis 1910 dauerte (vgl. Hentschke 1994).

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