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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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25.2 Afrobrasilianische Kulturen und Studien

Im Jahr 1948 wurde von Hafenarbeitern aus Salvador de Bahia die Karnevalsgesellschaft "Söhne von Gandhi" (filhos de Gandhi) als eine der ältesten Karnevalsgesellschaften (= Afoxé, auch ein Rhythmusinstrument) gegründet. Sie zählt heute 9000 Mitglieder. Die westafrikanische Religion des Candomblé als Form von "kulturellem Widerstand" konnte sich erstmals freier entfalten. Zwar war er in den vierziger Jahren bereits toleriert worden, seine Anhänger bekannten sich jedoch offiziell zum Katholizismus. In den fünfziger Jahren etablierten sich zudem die Sambaschulen. Deren Präsidenten übten oftmals gleichzeitig die Kontrolle über das 1946 verbotene und beliebte Glücksspiel "Jogo do Bicho" aus und spielten im Drogenhandel wichtige Rollen. Die Samba-Schulen in den Favelas (Armutsvierteln) wurden in ein kriminelles Umfeld verstrickt. Der Karneval, eine wichtige Möglichkeit der Demonstration sozialen Zusammengehörigkeitsgefühls, wurde nun systematisch vermarktet und subventioniert (vgl. Hofbauer 1995).

1951 gab die brasilianische Regierung eine englischsprachige Broschüre heraus, die die friedlichen interethnischen Beziehungen im Vergleich zu den USA, die eine Politik der Apartheid betrieben, hervorhob. Im selben Jahr verbot das erste brasilianische Antidiskriminierungsgesetz von Afonso Arinos die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung, nachdem ein brasilianisches Hotel einer afro-amerikanischen Sängerin die Beherbergung verweigert hatte. Die Bevorzugung "weißer" Arbeitskräfte wurde etwa durch Inserate kaschiert, die "Personen mit gutem äußeren Erscheinen" suchten (Hofbauer 1995, S. 97).

In den fünfziger Jahren führte der ehemalige französische Emigrant und Anthropologe Roger Bastide mit seinem brasilianischen Kollegen Florestán Fernandes im brasilianischen Industriezentrum von São Paulo eine UNESCO-Studie über die Integration von schwarzen Brasilianern in verschiedene Bereiche sozialen Lebens durch. Für die UNESCO war Brasilien als Modell für eine andere Beziehung zwischen Ethnien als etwa in den USA besonders interessant, sie regte deshalb Studien über interethnische Beziehungen an.

Die Soziologen - Fernandes begründete die "Escola Paulista de Sociologia" - bewiesen durch ihre Arbeiten, dass Hautfarbe sehr wohl ein wesentlicher ideologischer Faktor zur Absicherung alter Machttverhältnisse sei, ebenso wurde die historische Kontinuität von Rassismus deutlich; Vorurteile seien im kapitalistischen System jedoch neu definiert worden (vgl. Ianni 1988, S. 159-175). Auch der bedeutende brasilianische Anthropologe Arthur Ramos wies in einer, von der UNESCO finanzierten Studie nach, dass dunklere Haut einen niedrigeren sozialen Status bedeute, auch wenn die "Rassen"segregation in Brasilien nie US-amerikanische Ausmaße erreichte. Die Studie brachte erstmals soziologisch geprägte Interpretationsweisen zum Durchbruch und stellte Freyres harmonisierenden Mythos der "Rassendemokratie" in Frage.

Florestán Fernandes brachte die fehlende Bewältigung des historischen Erbes auf den Punkt: "In Brasilien herrscht das Vorurteil, daß es kein (Rassen-) Vorurteil gibt" (Hofbauer 1995, S. 95, vgl. Levine 1997, S. 18f.) Die US-amerikanische "Black-Power-Bewegung" der sechziger Jahre wurde durch brasilianische Sportler und Musiker auch nach Brasilien transportiert.

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