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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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25 Die Regierungen Kubitschek und Goulart

Juscelino Kubitschek (1956-1961), Nachkomme einer tschechischen Einwandererfamilie, Mitglied des Partido Democrático Social, vertrat ein ambitioniertes Fortschrittsprogramm mit Bau von Strassen und Kraftwerken, definierte Entwicklungsprogramme für den Nordosten, das Armenhaus Brasiliens.

Die Maßnahmen erinnerten an den kulturellen und politischen Nationalismus der zwanziger Jahre. Sein "Neues Brasilien" sollte Selbstbewusstsein und Modernität vermitteln, um das Attribut, ein "Schwellenland" zu sein, loszuwerden. "50 Jahre Entwicklung sollten in fünf " zu erreichen sein. Kubitschek stützte die Industrieproduktion. Blieb der traditionelle Sektor in den Händen einheimischer Unternehmer, so wurde die Entwicklung des modernen Industriesektors wesentlich von Filialen ausländischer Mächte getragen (vgl. Hentschke 1996).

Die Politik der Produktionszuwächse - das Wirtschaftswachstum war dreimal größer als in den übrigen lateinamerikanischen Staaten - wurde mit der Modernisierung großer Ländereien verbunden. Um eine Landreform, eine Politik der Reduktion von Großgrundbesitz zu umgehen, setzten Modernisierungstheoretiker der fünfziger Jahre auf die Technisierung der Landwirtschaft, um aus den daraus erwirtschafteten Gewinnen auch die Subsistenz treibenden und für lokale Märkte produzierenden Bauern unterstützen zu können. 1959 gründete Kubitschek die Regionalentwicklungsbehörde für den Nordosten Brasiliens (SUDENE).

Die Krönung seiner Entwicklungsziele bildete das Großprojekt der Hauptstadt Brasília im Hochland zwischen Goiás und Minas Gerais auf 1060 Metern, deren Planung in der Verfassung von 1891 verankert und 1956 im Kongress diskutiert wurde. Die Investitionen von Juscelino Kubitschek führten zwar zu steigender Wirtschaftsleistung, gleichzeitig zu einem Schuldenberg. Die Regierungen Jânio Quadros, der nur 7 Monate im Amt blieb und João Goulart (1961-1964), dem ehemaligen Arbeitsminister unter Vargas, versuchten die Krise mit unpopulären Sparmassnahmen, wie Geldabwertung, Kürzung von Subventionen, Regierungsausgaben und Steuererhöhungen zu verringern. Zudem kündigte Goulart eine Agrarreform und politische Reformen wie das Wahlrecht für Analphabeten und die Legalisierung von Bauernorganisationen an, gegen die sich die politisch konservativen Eliten stellten.

1964 erreichte die Inflation mit 100% einen historischen Höhepunkt. Externe Investoren, allen voran die USA, übten massiven Druck auf die Regierung aus, unter anderem, weil sie private Ölfirmen verstaatlichte und gegenüber Kuba eine von den USA unabhängige Position verteidigte. Die Streitkräfte stürzten Goulart schließlich 1964 und übernahmen als Korporation die Macht.

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