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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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24 Zweite Regierungszeit Vargas 1951-54

1951 kehrte Getulio Vargas als demokratisch gewählter Präsident auf die politische Bühne zurück und versuchte wirtschaftspolitisch auch an den Estado Novo anzuknüpfen. Die politischen Konstellationen bewirkten nicht nur eine intensive Allianz mit den USA, die Brasilien auch für eine ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vorschlugen. Sie machten Brasilien auch zum bevorzugtesten Staat in Lateinamerika für die USA. Brasilien wurde der verlässlichste lateinamerikanische Verbündete der UNO, die größte Militärmacht in Lateinamerika und blieb wichtigster Rohstofflieferant der USA.

Trotz des US-Druckes weigerte sich Vargas jedoch, an der Seite der USA in den 1950 begonnenen Korea-Krieg (1950-1953) einzutreten. Der Staat übernahm wieder stärker planerische Funktionen: 1952 gründete Vargas die Entwicklungsbank BNDE (Banco Nacional do Desenvolvimento Económico), bis heute Brasiliens wichtigste Entwicklungsbank, ein Jahr später die bis heute zu 51% verstaatlichte Öl-Gesellschaft Petrobrás - ein wichtiger Financier brasilianischer Kulturpolitik (wie Filme, Architektur, Museen, Austellungen). Der Industrie gewährte Vargas Kredite. Vargas hoffte noch immer auf die US-Investitionen.

Im Jahr 1953, als sich die Wirtschaftskrise massiv auf die Handelsbilanz und auf Investitionen auswirkte, reisten Vargas Tochter Alzira und Ihr Gatte Ernani do Amaral Peixoto in die USA, um die Zahlung der versprochenen Subventionen und Kredite zu erwirken. 1953 hatte ein schwerer Frost 40% der Kaffee-Ernte zerstört und die Preise an der New Yorker Warenbörse hochschnellen lassen. Vargas ließ den Exportmindestpreis nun mit 10 Cent unter dem des gehandelten Preises festsetzen, was einen Boykott der Kaffeemakler gegenüber Brasilien auslöste; diese bevorzugten nun Kaffee der afrikanischen Staaten. Vargas Entscheidung erhöhte das Zahlungsbilanzdefizit Brasiliens noch mehr. In der Folge wurden Werbekampagnen lanciert, um zum Konsum von brasilianischem Kaffee anzuregen ("Ask your grocer for the good neighbor coffee.)"

Auch gegenüber der Arbeiterschaft praktizierte Vargas eine ähnliche Politik wie im Estado Novo, indem er sie "von oben" zu mobilisieren versuchte. Auf die Verteuerungen der Lebenserhaltungskosten und auf Reallohneinbußen reagierten die Arbeiter aber mit Streiks. Denn die versprochenen Minimal-Lohnerhöhungen um 100% hatte Vargas nach Protesten der Militärs und Industriellen wieder zurückgenommen, nach neuerlichen Protesten doch eingeführt. "Er versuchte, Unversöhnliches zu versöhnen, die vormoderne mit der modernen Gesellschaft, die er als Übergangsfigur beide gleichermaßen verkörperte. Sein Scheitern nahm bereits das Ende des populistischen Paktes vorweg, den nur sein Selbstmord auf Zeit verlängern half." (Hentschke 1996, S. 571, vgl. Prutsch/Zeyringer 1997).

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