Die Kulturpolitik des Estado Novo verwischte ethnische Disparitäten und versuchte, einen idealisierten kulturellen Mix verschiedenster Einflüsse nach dem Prinzip des Melting Pot zu kreieren. Schon am 10. November 1937 wurde der fremdsprachige Unterricht für Kinder unter 12 Jahren verboten. Im Gesetz vom 4. Mai 1938 wurden Fremdsprachen aus den Lehrplänen gestrichen, Lehrer und Schulleiter durften nur mehr geborene Brasilianer sein. Ein Dekret vom 18. April 1938 verbot die politische Betätigung von Ausländern.
Diese Gesetzgebung richtete sich erstmals gegen politische Agitationen der seit 1931 in Brasilien bestehenden NSDAP, die kulturelle Identität der deutschbrasilianischen Bevölkerung zu schützen vorgab. Das Deutsche Reich sandte NS-Schulmaterial und Propagandamaterial für deutsche Firmen sowie Zeitungen und UFA-Filme nach Brasilien. Deutsche Schulen, Turn-, Gesangs- und Geselligkeitsvereine hissten Hakenkreuzflaggen und benützten NS-Symbole zur Dekoration von Vereinsheimen. Die NSDAP zählte in Brasilien 5000 Parteimitglieder, Vereine waren Ziele ihrer Gleichschaltung; nicht wenige - politisch und wirtschaftlich führende - Kreise der deutschbrasilianischen Einwanderer sympathisierten mit der nationalsozialistischen Ideologie aus der Distanz, engagierten sich vor allem wegen der räumlichen Abgeschiedenheit und politischem Desinteresse jedoch kaum und distanzierten sich offiziell von ihr.
In der deutschbrasilianischen Presse war das Wiedererstarken Deutschlands allerdings 1933 bejubelt worden. Die Erinnerung an die antideutschen Ressentiments der Brasilianer während des Ersten Weltkriegs, in den der südamerikanische Staat nach der Torpedierung von 4 seiner Schiffe durch deutsche U-Boote eingetreten war, blieb vielen DeutschbrasilianerInnen. Zwischen der Abteilung der NSDAP in Brasilien und dem deutschen Außenamt (der Wilhelmstrasse) gab es zudem ständig Differenzen wegen offizieller und subversiver politischer Aktivitäten, die 1938 auch zu ernsten diplomatischen Spannungen mit Brasilien führten (vgl. Gertz 1980, vgl. Hilton 1981, vgl. Gaudig/Veit 1997). |