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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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Die brasilianische Verfassung von 1891

Grafik: Proklamation der Republik

Die Verfassung des Jahres 1891 wurde stark vom Finanzminister Rui Barbosa geprägt und orientierte sich an der Verfassung der USA. Diese hatten die Republik 1890 anerkannt und 1891 ein beiderseitiges Handelsabkommen mit Brasilien geschlossen, seinem wichtigsten Kaffeelieferanten seit 1865. Großbritannien, noch immer die führende ausländische Wirtschaftsmacht in Brasilien, entschloss sich erst im Mai 1891 zur Anerkennung der neuen Republik. Brasilien wurde als ein föderalistischer Bundesstaat (República dos Estados Unidos do Brasil) mit 20 Teilstaaten (die früheren Provinzen) umgestaltet.

Die Teilstaaten erhielten umfangreiche Kompetenzen, sie konnten ihre eigene Steuerpolitik verfolgen, ein eigenes Militär aufstellen, ihre Einwanderungspolitik gestalten. Die Gewaltenteilung wurde durch einen Obersten Gerichtshof als Judikative, ein Abgeordnetenhaus und einen Senat als Legislative sowie dem Präsidenten als Exekutive bestimmt. Die während der Kaiserzeit (1822-1889) durch den brasilianischen Herrscher symbolisierte vierte, ausgleichende Gewalt (poder moderador) wurde theoretisch obsolet, praktisch jedoch durch das Militär ausgeübt, das sich als Ordnungsmacht begriff und regelmäßig intervenierte. Da in Brasilien bis heute Parteien regional verankert sind, da keine Partei auf nationaler Ebene dominierte und dominiert, reklamierte das Militär am Beginn der Republik den Anspruch, eine national integrierende und ordnende Kraft zu sein.

Der Artikel 1 der Verfassung legte das Heer als permanente nationale Institution fest, die das Vaterland verteidigt. Der Artikel 3 definierte den Plan einer neuen, strategisch besser gelegenen Hauptstadt im Landesinneren. Dies wurde erst 1960, mit der Anlage der Hauptstadt Brasília, eingelöst, die Rio de Janeiro als Hauptstadt (1763-1960) ablöste. Das in der Verfassung festgelegte Wahlrecht verdeutlicht die elitären Demokratievorstellungen: Das Wahlrecht erhielten lediglich alle lese- und schreibkundigen Männer über 21 Jahren mit Vermögen. Bei einer sehr hohen Analphabetenrate von 85% waren bei den Präsidentschaftswahlen des Jahres 1891 nur 2,2% der Bevölkerung wahlberechtigt. Der Präsident wurde für 4 Jahre gewählt (vgl. Zoller 2000, vgl. Wöhlcke 2000).

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