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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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17 Die Revolution von 1930

Beifallskundgebung für Getulio Vargas

Trotz vorprogrammierter Widerstände und entgegen der politischen Praxis engagierte sich der brasilianische Staatspräsident Washington Luis (1926-1930), ein Paulistaner, für einen Präsidentschaftskandidaten des eigenen Bundesstaates, für Júlio Prestes. Als Oppositionskandidat trat mit Unterstützung des Staates Minas Gerais der Südbrasilianer Getúlio Vargas, Gouverneur von Rio Grande do Sul gegen Prestes an. Mit ihm sollte erstmals ein Politiker aus Rio Grande do Sul an die politische Spitze gelangen. Der Jurist Getúlio Vargas (1883-1954) stammte aus einer wohlhabenden Viehzüchterfamilie aus São Borja, aus Rio Grande do Sul an der argentinischen Grenze. Er war vom positivistischen Kreis von Júlio de Castilhos beeinflusst und hatte sich politische Erfahrungen in der bundesstaatlichen Regierung als Finanzminister in der Regierung Washington Luis geholt (1926 bis 1928). Ab 1928 war er Gouverneur des südlichsten Bundesstaates. Vargas wurde von jungen tenentes unterstützt sowie von einer politisch heterogenen Gruppe um die sogenannte Alianca Liberal.

Ankunft der Revolutionäre in Rio de Janeiro am 1. November 1930

Als Júlio Prestes am 1. März 1930 mit Stimmenmehrheit - die Wahlbeteiligung lag bei 5, 7% - die Wahlen gewann, warf ihm die Opposition die Fälschung des Wahlresultates vor. Die Ermordung des an der Seite von Vargas aufgestellten Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten war nur das äußere Signal für die Revolution, deren Zentren in Rio Grande do Sul, in Minas Gerais und im Nordosten Brasiliens lagen. Der konservative Militär Pedro Aurelio Gois Monteiro, einer von Vargas Mitstreitern, setzte den Beginn der Revolution exakt am 3. Oktober 1930, um 17 Uhr 15 an, einem Zeitpunkt, wo in den Kasernen aufgrund des Schichtwechsels von Tag- auf Nachtwache am wenigsten Aufmerksamkeit gegeben war. Die revolutionären Truppen setzten sich - mit wenigen Tagen Zeitdifferenz -brasilienweit an verschiedenen Orten in Bewegung. Das Oberkommando in Rio de Janeiro setzte den Präsidenten Washington Luis ab, um die Macht des Militärs aufrechtzuerhalten. Am 1. November zog Getulio Vargas, der praktisch kaum militärische Erfahrung hatte, als Kommandant einer siegreichen "Revolution von oben" in Rio de Janeiro ein. Die Rebellen banden ihre Pferde an den Obelisken am Ende der Avenida Rio Branco und reklamierten damit das Symbol der bürgerlichen Republik für sich.

Die Flagge, die sie mit sich führten, schenkte Vargas im November, am Tag der Flagge, dem Historischen Museum. Diese Liebe für Symbolik und Inszenierungen hat Vargas im Laufe seiner Regierung noch besonders entfaltet. Am 3. November 1930 übernahm Vargas die Macht. Die Weltwirtschaftskrise von 1929, an deren Bewältigung die Regierung Washington Luis scheiterte, war der auslösende Faktor einer langen Unzufriedenheit und Kritik an der politischen Spitze.

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