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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 12 Politik und Ökonomie um 1900

12.2 Kautschuk

Kautschukzapfer

Neben dem Kaffee, der um die Jahrhundertwende 75% des Weltmarktproduktion ausmachte, gerät die Kautschukproduktion am Amazonasgebiet in einen Boom. Sie war der letzte weltmarktorientierte Rohstoffzyklus Brasiliens (nach dem Brasilholz, Zucker, Gold und Kaffee). Der aus Gummibäumen im Amazonasgebiet gewonnene Rohstoff stellte um 1890 nach Kaffee das zweitwichtigste Exportprodukt Brasiliens dar. Kautschuksammler spielten bei den Grenzstreitigkeiten zwischen Brasilien und Bolivien eine Rolle. 1899 hatten brasilianische Kautschuksammler, die im Zuge des Kautschukbooms nach Westen vorgedrungen waren und dort die bolivianische Autorität über das Territorium von Acre nicht anerkannten, zunächst die Unabhängigkeit angestrebt. Die etwa 60 000 Brasilianer strebten die Angliederung des Gebietes an Brasilien an, das 1903 auch von Außenminister Baron von Rio Branco (1845-1912) gewonnen werden konnte. (vgl. Caldeira 1999).

Vor dem Ersten Weltkrieg beherrschte Brasiliens Kautschuk den Weltmarkt. Ein Kautschukbaron ließ sich 1896 in Manaus ein prächtiges Opernhaus, das Teatro Amazonas, mit italienischem Marmor bauen. Die Konkurrenz südasiatischer Plantagen reduzierte Brasiliens Produktion bis 1918 auf 25%. In den zwanziger Jahren spendete die Regierung des Bundesstaates Pará dem US-amerikanischen Autokonzern Ford aus Detroit 10 000 Quadratkilometer zur Produktion von Naturkautschuk für die Herstellung von Autoreifen. Innerhalb weniger Jahre entstand im Amazonasgebiet mit Fordlândia eine Industriestadt mit 8000 Arbeitern. Nach dem Eintritt Brasiliens auf der Seite der USA im zweiten Weltkrieg wurde die Kautschukproduktion bis zur Herstellung synthetischen Gummis angekurbelt.

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