Bereits in den ersten Jahren der Republik, unter der provisorischen Regierung von Marschall Manoel Deodoro da Fonseca (1889 -1891), spielte das Militär als politische Macht eine zentrale Rolle. Neben positivistisch beeinflussten Militärs gehörten noch Eliten des kaiserlichen Heeres der Regierung an. Militärs bekleideten mehr öffentliche Ämter als zur Kaiserzeit. Zentren ihrer Ausbildung waren die 1827 gegründeten juridischen Fakultäten in São Paulo und Pernambuco sowie die Militärakademien, da es bis 1920 keine Universität in Brasilien gab. Brasilianische Eliten hatten vorwiegend im portugiesischen Coimbra studiert, die dort aufgebauten Netzwerke vermochten sie oftmals in Brasilien zu nutzen.
Das Militär gliederte sich in das Heer und die Marine. Die Marine betrieb in Rio de Janeiro eine eigene Eliteschule, bis 1889 war sie eine Ausbildungsstätte für Führungsschichten des Landes und wurde von Söhnen reicher, kaisertreu gewesener Pflanzereliten, frequentiert. Die großteils monarchistisch orientierte Marine bildete eine Gruppe mit dem Selbstbewusstsein einer Elite, während das Heer durch das Angebot kostenloser Ausbildung eine ideale Aufstiegsmöglichkeit für städtische Mittelschichten, für niedere Beamten, aber auch für freigelassene Sklaven bot. Nach dem gegen Paraguay gewonnenen Krieg (1864/65-1870) erlebte das brasilianische Heer, dessen Stärke mit 20 000 Soldaten eher gering war, einen finanziellen Aufschwung. Positivistische Ideen wurden vor allem von jüngeren Offizieren übernommen, für die eine starke, diktatorische Regierung am ehesten eine stabile, prosperierende Republik gewährleistete (vgl. Hentschke 1994).
Die bis zur Verfassung von 1891 agierende provisorische Regierung versuchte den neuen Zeitgeist durchzusetzen. Kirche und Staat wurden getrennt, Religionsfreiheit und Zivilehe eingeführt, der Adel abgeschafft, einige soziale Maßnahmen wie Höchstgrenzen für Preise und Mieten durchgeführt. Allerdings schufen die Machthaber einen eigenen Rechtsparagraphen zur Kontrolle der religiösen Praktiken von Ex-Sklaven, die als Formen der "Hexerei" in den Strafkodex von 1890 aufgenommen und polizeilichen Repressionen ausgesetzt wurden. Afrikanische Trommelformationen (batuques) wurden 1905 verboten. Die Vernichtung eines Großteils der Dokumente über die Sklaverei sollte einen republikanischen Neubeginn symbolisieren, stellt jedoch einen unwiederbringlichen Verlust für die historische Forschung dar. |