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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 8 Die europäische Einwanderung als bedeutender Faktor gesellschaftlicher Veränderung in Brasilien
 up 8.8 Brasilien als Einwanderungsland für österreichische MigrantInnen (1875-1942)

8.8.5 Die österreichische Brasilienwanderung in den dreißiger Jahren

Die Weltwirtschaftskrise stellt eine deutliche Zäsur in Migrationspolitik- und verhalten dar. Die Auswanderung aus Österreich nach Brasilien verringerte sich deutlich. Zwischen 1930 und 1937 betrug sie nur mehr 13,4% der Überseewanderung. Im Jahr 1930 war Brasilien, bedingt durch das rapide Fallen der Kaffeepreise (Kaffee machte 70% des Exportes aus), die Weltwirtschaftskrise, Importsenkungen und geringen Zolleinnahmen, bankrott. Es baute daher notwendigerweise eine importsubstituierende Wirtschaft auf und entwickelte sich durch die Etablierung des Estado Novo im Jahre 1937 zu einer Modernisierungsdiktatur, zu deren Zielen die Verbreitung eines gesamtbrasilianischen Identitätskonzeptes zählte. Das Projekt der Nationalstaatsbildung sah unter anderem vor, dass in Betrieben zwei Drittel aller Arbeiter und Angestellten Brasilianer sein mussten. Innerbrasilianische MigrantInnen, die in die Städte abwanderten, machten Migration aus Europa nicht mehr nötig. Die Einwanderungsgesetze wurden verschärft. In Österreich ging die Auswanderung deutlich zurück.

Grafik: Arbeitslosigkeit in der Ersten Republik

Im Jahr 1931 wies die österreichische Arbeitslosenstatistik 334 000 Arbeitslose auf, 1933 mehr als eine halbe Million. Die Industrieproduktion verringerte sich, die Inlandsverschuldung stieg um das Dreifache. Die österreichische Regierung sah für die Bewältigung der gravierenden wirtschaftlichen Einbrüche und der Massenarbeitslosigkeit nun nicht mehr Auswanderung, sondern Kurzarbeit und innenkolonisatorische Projekte vor. Diese passten auch besser in das Konzept des Bundeskanzlers Engelbert Dollfuß, der Reagrarisierung und Entproletarisierung der Arbeiterschaft propagierte, um "gesunde" Besitzverhältnisse auf dem Land zu schaffen und den Bevölkerungsrückgang einzudämmen (vgl. Prutsch 1996).

Vor diesem Hintergrund ist es doppelt erstaunlich, dass die einzig wirklich erfolgreiche geschlossene Gruppenwanderung von Österreichern nach Brasilien zwischen September 1933 und Jänner 1938 abgewickelt wurde. In diesem Zeitraum migrierten in vierzehn Transporten fast 800 Personen, großteils Tiroler Landwirtefamilien nach Santa Catarina (in die Nähe von Joacaba), wo der ehemalige Landwirtschaftsminister Andreas Thaler für sie Ländereien ausgewählt hatte. Über 63 % der Brasilienwanderer in diesem Zeitabschnitt gehörten zur Organisation Thalers.

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