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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 8 Die europäische Einwanderung als bedeutender Faktor gesellschaftlicher Veränderung in Brasilien
 up 8.8 Brasilien als Einwanderungsland für österreichische MigrantInnen (1875-1942)

8.8.4 Die Lebensverhältnisse der ÖsterreicherInnen

Zwischen 3 000 und 6 000 ÖsterreicherInnen - die Statistiken sind vage und Melderegister wurden erst ab 1934 geführt - lebten als Geschäftsleute, Gewerbetreibende, Handwerker oder Angestellte in São Paulo und Rio de Janeiro, oftmals bei deutschen Firmen. Sie bildeten einen Teil des unteren und schließlich gehobeneren Mittelstandes. Anfangs übten wenige schichtkonforme Berufe aus. Da für akademische Berufe Nostrifikationsprüfungen in portugiesischer Sprache verlangt wurden, gaben eingewanderte Architekten oft den Beruf "Maurer" an, Ärzte gaben sich als "Krankenpfleger" aus und legten ihre Prüfungen später ab. Die brasilianischen Reallöhne waren zwar niedriger als die österreichischen Durchschnittslöhne, die Einwandernden genossen aber Steuerfreiheit. Allerdings fehlten zunächst die seit 1918 in Österreich errungenen sozialpolitischen Sicherheiten und arbeitsrechtliche Möglichkeiten. Streikbeteiligung konnte die Ausweisung zur Folge haben.

Die schlechte Quellenlage läßte exakte Angaben über Zahl und räumliche Verteilung der ÖsterreicherInnen in den brasilianischen Bundesstaaten nicht zu. Außerdem ordneten die deutsch-brasilianischen Publikationen oftmals Österreicher zur "volksdeutschen Gruppe".

Zeitungsannoce in der

Gerade in den Österreicher-Vereinen manifestierte sich auch der Transfer politischer Ideologien, die politische Kontroversen und Konflikte auslösten. Ab 1933, als der "Volksbund für das Deutschtum im Ausland" massiv nationalsozialistisches Propaganda- und Schulmaterial an deutsche Firmen und Schulen in Brasilien zu versenden begann, zeigte sich das politische Bekenntnis zur alten Heimat Deutschland deutlich in den symbolischen Instrumentarien. Auf Sportplätzen der Turnvereine wurden Hakenkreuzfahnen gehisst. Auch der 1913 gegründete österreichische Verein Donau, mit ca. 1000 Mitgliedern ein bedeutendes Kommunikationszentrum für die in São Paulo lebenden Österreicher und ÖsterreicherInnen, bekannte sich ab 1935 immer deutlicher zum Deutschtum und zu nationalsozialistischen Ideen, er behielt aber das Symbol des Stephansdomes als Emblem auf den Vereinsmitteilungen bei. 1935 spaltete sich eine proösterreichische Gruppe von der Donau ab und gründete den Verein "Babenberg".

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