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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 8 Die europäische Einwanderung als bedeutender Faktor gesellschaftlicher Veränderung in Brasilien
 up 8.8 Brasilien als Einwanderungsland für österreichische MigrantInnen (1875-1942)

8.8.2 Auswanderungsinteresse in der Nachkriegszeit

Brief eines Auswanderers

Die gescheiterte Aktion Gamillscheg, das gesteigerte Auswanderungsinteresse, von dem auch Vereine und Agenten profitierten, die uninformierte, finanzschwache Österreicher zu einer voreiligen Migration überredeten, machten staatliche Kontrolle in Österreich notwendig. Nicht nur die heimgekehrten Soldaten zählten zur Menge der 130 000 Arbeitslosen der frühen Nachkriegszeit, sondern auch eingewanderte deutschsprachige Verwaltungsbeamte aus allen Teilen der ehemaligen Habsburgermonarchie, die ins Zentrum der neugegründeten Republik Österreich, nach Wien strömten. Da der extrem verkleinerte Staat den Verlust des alten Wirtschaftsraumes, die Rückkehr auf Friedensproduktion, die Kriegszerstörung zu bewältigen sowie den nach 1918 überdimensionierten Apparat von Verwaltungsbeamten, von Angestellten bei Post, Bahn und Banken zu reduzieren hatte, vergrößerte diese Situation das Heer der Arbeitslosen und Stellungsuchenden. Die Politik des Stellenabbaus wirkte sich auch auf die Auswanderung aus. Die im Februar 1920 gegründete amtliche Auskunftsstelle für Auswanderer wurde 1921 als Wanderungsamt dem Bundeskanzleramt unterstellt. Das Wanderungsamt beriet in Auswanderungsfragen, über die notwendigen Dokumente und Barmittel, Auswanderungsziele und Arbeitsangebote. Die Errichtung der österreichischen Gesandtschaft in Rio de Janeiro im Jahr 1925 zeigt, dass Brasilien als Aufnahmeland für Österreicher in der Zwischenkriegszeit Bedeutung erlangt hat. Das Jahr 1925 bildete auch den Höhepunkt der Brasilienwanderung. 56, 5 Prozent der Überseewanderer wählten Brasilien als neues Heimatland, das damit die USA für zwei Jahre vom ersten Platz der Einwanderungsländer verdrängte. Dieser Höhepunkt der Brasilienwanderung hängt mit der restriktiven Einwanderungspolitik der USA zusammen, die im Jahr 1924 die Einwanderung drastisch limitierten.

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