In der österreichisch-ungarischen Monarchie stellte die Auswanderung zwischen 1880 und 1918 eine wahre "Massenbewegung" dar. Um 1900 stand sie an erster Stelle aller Auswanderungsstaaten in Europa. Im Laufe des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wanderten über 3, 5 Millionen Menschen aus der k.u.k. Monarchie aus. Statistiken wurden ab 1875 geführt. Schon in den europäischen Seehäfen, in denen sich die Auswanderer einschifften (Triest, Hamburg, Bremen, Le Havre etc.), aber auch in den brasilianischen Häfen wurden in die Statistiken oft falsche Eintragungen gemacht, Einwanderer wurden nach ihrer Sprache kategorisiert. Sprach jemand deutsch, wurde er oftmals unabhängig von seiner staatlichen Zugehörigkeit als "Deutscher" eingestuft. Manche Österreicher gaben dann selbst an, Deutsche, das heißt Deutschsprachige zu sein. Das deutsche Reichskommissariat für Auswanderungswesen kannte beispielsweise nur drei Schemata der Zuordnung: Böhmen, Ungarn und sonstige Österreicher. Deserteure umgingen oft die Behörden, hatten falsche Pässe bei sich.
Während die k.u.k. Armee, Industrie und Großgrundbesitzer großes Interesse an einer möglichst effizienten Einschränkung der Auswanderung hatten, wurde sie von Landesbehörden und den Regierungen in Wien und Budapest oftmals als eine Möglichkeit der "Lösung" sozialer und wirtschaftlicher Probleme gewertet. Denn die Auswanderungswilligen kamen meist aus jenen Kronländern, die gerade von den Auswirkungen der Industrialisierung und Modernisierung betroffen waren. Wanderten in den 1870er und 1880er Jahren Österreicher aus Böhmen, aus Mähren, aus Tirol, Oberösterreich und der Steiermark aus, so kamen die Migranten der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg vor allem aus Südtirol, dem Trient und den sogenannten Armenhäusern der Habsburgermonarchie, aus Dalmatien, Galizien und der Bukowina, wo zwischen 70 und 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig waren. Aufgrund des besonderen Erbrechts in Galizien betrug die Grundstücksgröße der Ländereien oft nur ein Hektar. Galizien und die Bukowina wiesen zudem einen hohen Grad an Analphabeten und eine schwache Infrastruktur auf. In diesen Gebieten fielen nun die Propagandastrategien der sogenannten Auswanderungsagenten, das heißt von Personen, die von Schifffahrts- und Siedlungsgesellschaften in den USA und Lateinamerika bezahlt wurden und in Europa auswanderungswillige Personen anwarben, auf fruchtbaren Boden.
Das Auswanderungsinteresse hielt in der Ersten Republik Österreich (1918-1938) an. Bis 1926/27 profitierten Auswanderungswillige von den vorgestreckten Passagen des Staates São Paulo. Waren es unmittelbar nach Kriegsende ehemalige k.u.k. Armeeangehörige, zählten abgebaute Staatsangestellte, Beamte und Industriearbeiter zum Gros der Migranten. Sie zählten zu den in Brasilien nicht bevorzugten Berufsgruppen, was ihnen die Bezeichnung "Zylinderhutkolonisten" einbrachte. Viele der für Kaffeeplantagen abgeworbenen MigrantInnen scheiterten relativ rasch aufgrund der harten und ungewohnten Arbeitsbedingungen und klimatischen Verhältnissen, sie wanderten in die urbanen Zentren ab.
Von 1921 (ab diesem Jahr wurden Statistiken geführt) bis 1937 wanderten über 75 000 ÖsterreicherInnen nach Übersee aus, davon fast 14 000 nach Brasilien (31. 000 gingen in die USA, 11 000 nach Argentinien). Der größte Teil der Auswandernden in der Ersten Republik verließ das Land aus sozioökonomischen Gründen in der Annahme, dass das "geschrumpfte" Österreich auch in weiterer Zukunft nicht die Stabilität zur Schaffung einer Existenzgrundlage bieten könne und dass die Arbeitslosigkeit kein vorübergehendes Problem darstelle. Ein wesentlicher Faktor waren die Aktivitäten der Agenten von Regierungen, Schifffahrts- und Siedlungsgesellschaften, die das Auswanderungsinteresse durch falsche Informationen erhöhten, indem sie die Erwartungshaltung von einem raschen wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg verstärkten. Ein Drittel der Brasilienwanderer wählte die vorteilhafte Form der geschlossenen oder Gruppen-Wanderung. Die oft gewaltige Diskrepanz zwischen den durch Mythen genährten Vorstellungen und der Realität konnte meist erst durch eine sehr lange physisch und psychisch belastende Durststrecke in den Fazenden, Kolonien oder urbanen Zentren bewältigt werden. Zu geringe Bargeldreserven für die Finanzierung der Investitionen im Land oder für die Rückreise führten in vielen Fällen zu einer Verlängerung der Aufenthaltsdauer, denn Auswanderung wurde auch bei einer solchen Distanz nicht durchwegs als definitive Migration geplant. Vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zum Anschluß Österreichs an Deutschland im März 1938 (mit diesem Datum enden die Statistiken) migrierten 15 513 Personen aus Österreich nach Brasilien. Der Migrationsstrom hörte allerdings nicht auf, denn vereinzelt ab 1934, verstärkt zwischen 1938 und 1942, kamen trotz der immer stärker antisemitisch orientierten Immigrationspolitik Brasiliens politisch verfolgte jüdische Hitlerflüchtlinge nach Brasilien. (vgl. Prutsch 2000, vgl. Prutsch 1996). |