Logo
Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
Home
Sitemap
Vorherige
Nächste
 up 8 Die europäische Einwanderung als bedeutender Faktor gesellschaftlicher Veränderung in Brasilien

8.4 Einwanderer als Landwirte

Kolonistenhaus in Südbrasilien

Die sich nach europäischen Modellen orientierenden politischen Eliten Brasiliens (wie auch Argentiniens) versuchten, die oktroyierte und selbstempfundene Rückständigkeit im Zusammenhang mit der beginnenden Nationalstaatsbildung ab dem zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts durch eine forcierte Immigrations- und Siedlungspolitik zu überwinden. Sie sollten die "brachen" Gebiete des über acht Millionen Quadratkilometer großen Landes besiedeln. Gleichzeitig drängten die Einwanderer die indigene Bevölkerung in die weniger fruchtbaren Gebiete zurück und dezimierten sie. Einwanderer sollten der Modernisierung, dem Fortschritt und der "Rassenverbesserung" dienen. Bis zur Jahrhundertwende kam es wiederholt zu blutigen Zusammenstössen zwischen Kolonisten und Indios (in den Quellen werden sie meist als Botokuden bezeichnet, die als Synonym für alle "wilden Indianer" galten und denen Kannibalismus zugeschrieben wurde).

Die der Landwirtschaft zugedachten Familien sollten die ihnen zugeteilten Lose in der Größe von 25 ha ("Kolonien") bewirtschaften, die sich um ein Koloniezentrum gruppierten, entlang von Eisenbahnlinien lagen oder oftmals Kilometer von einander entfernt verstreut angeordnet waren. Auf diesen Ländereien, die bis zu einer bestimmten Frist abzuzahlen waren, standen im Idealfall bescheidene Kolonistenhäuschen. Saatgut und Werkzeuge wurden ebenfalls meist kostenlos bis zur ersten Ernte vorgestreckt. In den brasilianischen Südstaaten, wo die Kaffeeplantagenwirtschaft eine marginale Rolle spielte, entwickelten sich durch staatliche und private Kolonisation Dörfer und Städte auf kleinbäuerlicher Grundlage neben den Viehfazenden. Da diese weniger Arbeitskräfte als die monokulturellen Kaffeefazenden benötigten, bedeuteten die Kolonien der deutsch-, italienisch- und polnischsprachigen Siedler keine wirtschaftliche Konkurrenz. Diese transferierten auch ihre Siedlungsformen nach Brasilien

Hilfe Seitenanfang
Home Sitemap Suche Bilder Vorherige Nächste

Letzte Aktualisierung dieser Seite:
Öffne externe Links in neuem Fenster?

© Copyright "Lateinamerika-Studien Online"