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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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12 Politik und Ökonomie um 1900

Die ökonomische und politische Struktur veränderte sich in der "Alten Republik" (bis 1930), die um 1905 20 Millionen Einwohner zählte, wenig. Das liberal-konservative, elitäre System wurde von den Staatspräsidenten und mächtigen Gouverneuren von São Paulo und Minas Gerais sowie von einer kleinen Beamtenschicht getragen, die ihre Ausbildung in den juridischen Fakultäten von São Paulo und Pernambuco (gegründet 1827) genossen. Die Macht der Kaffeepflanzer-, Export- und Finanz-Eliten wurde durch ein ausgeklügeltes System politischer Patronage geregelt und auf lokaler Ebene von den ansässigen Notablen, den sogenannten Coroneis (Oberste der Nationalgarde) ausgeübt, die gleichzeitig oftmals über Großgrundbesitz verfügten. Der Coronelismo war durch fehlende Gewaltenteilungen, Wahlfälschungen, parteiische Gesetzesanwendungen und Attacken gegen politische Gegner und durch Klientelismus charakterisiert.

Bis 1930 spricht man von einer Politik der Gouverneure, wobei meist die beiden wirtschaftlich mächtigsten Staaten São Paulo (Kaffeewirtschaft) und Minas Gerais (Milchwirtschaft) die Staatspräsidenten stellten. Diese Praxis ging als "Kaffee mit Milch (café com leite) - Politik" in die brasilianische Geschichte ein. Trotz akzelerierter Urbanisierung und Industrialisierung in einigen Regionen blieb Brasilien bis in die sechziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts ein agrarisch geprägter Staat, obwohl es 1907 bereits über 600 000 Industriearbeiter zählte. 1917 lähmte ein erster Generalstreik, der höhere Löhne und Sozialleistungen forderte, die Wirtschaft São Paulos. Von den über 17 Millionen Einwohnern lebten um 1900 noch zwei Drittel am Land.

Die wichtigsten Exportgüter Brasiliens (Quelle: Zoller 2000, S. 228).

Zeitraum
Zucker
Kautschuk
Kaffee
1891-1900
6,0
15,0
64,5
1901-1910
1,2
28,2
51,3
1911-1920
3,0
12,1
63,0
1921-1930
1,4
2,6
69,6

Brasiliens außenwirtschaftliche Abhängigkeit mit exportorientierter Wirtschaft und semi-feudalen Plantagenstrukturen blieb stark. Großbritannien dominierte bis zur Jahrhundertwende zwar noch die Wirtschaftspolitik, lieferte Konsumgüter, besaß Handelsprivilegien, hatte den größten Anteil an der Konstruktion von Eisenbahnen und Telegraphennetzen und genoss wichtige Privilegien beim Abbau von Mineralien. Die Handelsbeziehungen mit den USA, den Hauptabnehmern des brasilianischen Kaffees, erlebten einen deutlichen Aufschwung und wurden von Brasilien in ihren politischen Interessen und Bestrebungen der Dominanz der westlichen Hemisphäre unterstützt. An der Seite der USA versuchte der größte lateinamerikanische Staat, seine Position als führende Macht in Lateinamerika zu stärken.

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