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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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Die Sklaverei in Brasilien

Sklaverei ist nicht nur ein ökonomisches Phänomen, sondern steht mit spezifischen Sichtweisen der Welt in Zusammenhang. In ihnen sind Begriffe wie Abhängigkeit, Macht, Gewalt, soziale Außenseiter oder Fremde enthalten (vgl. Hofbauer 2000, S. 42f.).

Im Laufe von 400 Jahren importierte Brasilien mehrere Millionen afrikanischer Sklaven und Sklavinnen zunächst für die Zuckerrohrplantagen (engenhos). Der Sklavenhandel war ein lukratives Geschäft; das Halten von Sklaven galt lange als Zeichen des Reichtums und bedeutete einen "sozialen Wert". Die Sklaven stellten keineswegs eine homogene "soziale Klasse" und ethnische Gruppe dar. Die Zwangsintegration in die Kolonialgesellschaft bedeutete einen tiefen Einschnitt in das Leben und die kulturellen Traditionen der Sklaven und Sklavinnen, die nicht nur oftmals die Sprache ihrer Herrn lernen, sondern auch vordergründig die katholische Religion praktizieren mussten.

Historische Darstellung von

Die Kirche stellte die Institution der Sklaverei nicht in Frage. SklavInnen gleichen ethnischen Ursprungs wurden an verschiedene Sklavenherren verkauft. Ebenso gab es eine Art von "interner Sklavenhierarchie". Das von extremen körperlichen Anstrengungen geprägte Leben der Plantagensklaven unterschied sich wesentlich von demjenigen der privilegierteren Haussklaven, die im Herrenhaus (casa grande) arbeiteten. Den in urbanen Zentren arbeitenden Leihsklaven boten sich die besten Chancen, einen Sklavenfreibrief (carta de alforria) zu erhalten. Der Sklavenalltag war allerdings nicht immer von ständiger physischer Gewaltausübung gekennzeichnet, sondern auch oftmals durch ein paternalistisches Schutz-Ausbeutungs-Verhältnis geprägt.

Sklavenaufseher bei der Strafausübung

Viele Sklaven entzogen sich dem unmenschlichen Arbeitssystem durch Flucht, die durchschnittliche Überlebensdauer eines Sklaven im 17. und 18.Jahrhundert betrug cirka sieben Jahre. Es bildeten sich mehrere Widerstandsdörfer bzw. "Sklavenrepubliken" (Quilombos), von denen der Sklavenstaat Palmares (im 17. Jahrhundert) in Pernambuco mit 30 000 Einwohnern als Symbol des Widerstands im kollektiven Gedächtnis der afrobrasilianischen Einwohner Brasiliens besonders verankert blieb. Nach jahrzehntelanger Resistance gegen die Regierungstruppen wurde er von einem 6000 Mann starken Heer schließlich zerstört. Die Sklaverei wurde auch von den Quilombos und afrobrasilianischen Religionen nicht in Frage gestellt.

Der Prozeß der Abschaffung der Sklaverei (Abolição) setzte mit der Unabhängigkeit Brasiliens 1822 ein, da Großbritannien ihre Anerkennung an die Bedingung der Abolition knüpfte. 1850 wurde der Import von Sklaven effektiv verboten; das "Lei do Ventre Livre" von 1871 bestimmte, dass alle Kinder von Sklavinnen als Freie geboren werden. Das "Goldene Gesetz" vom 13. Mai 1888 kam zu einem Zeitpunkt, als die Sklaverei ökonomisch ihre Relevanz verloren hatte; "lediglich" eine halbe Million Sklaven wurde nun in die Freiheit entlassen. Der Sklavenfreibrief sowie die Abolition änderten das Leben der Sklaven meist nicht radikal, die befreiten Sklaven arbeiteten oftmals bei denselben Herren als Lohnarbeiter weiter (vgl. Hofbauer 1995, Hofbauer 2000, vgl. Hofbauer 2002, vgl. Carneiro 1966, vgl. Viotti da Costa 1997).

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