Der Estado Novo veränderte den Festkalender. Vargas Geburtstag, der 19. April, wurde zum Feiertag erklärt, ebenso der 10. November, die Geburtsstunde des Estado Novo. "Die Woche des Vaterlandes" um den Unabhängigkeitstag, den 7. September, wurde mit Aufmärschen, Paraden gefeiert. In der "Stunde der Unabhängigkeit" versammelte der Komponist Heitor Villa Lobos 20 000 Schulkinder, die unisono den Estado Novo und Getúlio Vargas besangen. Die Vargas-Regierung fand unzählige Möglichkeiten, Helden der Vergangenheit zu würdigen. Im Estado Novo kamen Revolutionäre der Inconfidência Mineira, eines antimonarchistischen Aufstandes von 1789 zu Ehren; deren sterbliche Überreste wurden nach Brasilien transferiert und dort im eigens 1942 errichteten Panteon der Revolutionäre bestattet, der genau am Todestag von Tiradentes, der Leitfigur des Aufstandes, eingeweiht wurde.
Die Revolution von 1789 war für das Vargas-Regime Symbol für Patriotismus, Pflicht, Opferbereitschaft für das Vaterland und Ablehnung regionalistischen Denkens. Vargas entledigte den Aufstand seines ursprünglichen Kontextes und stilisierte Tiradentes und seine Mitkämpfer zu Märtyrern am Projekt des Neuen Brasilien hoch. Frauen spielten übrigens in der Heldenverehrung des Estado Novo keine Rolle. Zu den Helden glorreicher Vergangenheit wurde der brasilianische Kaiser Pedro II. gemacht, der 1891 im Pariser Exil verstorben war. In den dreißiger Jahren begann die historische Forschung sich mit den Bragancas zu beschäftigen. Unter dem Estado Novo wurde Pedro II. ein Platz im nationalen Gedächtnis als Held, Patriot und Mann des Geistes geschaffen. Man repatriierte ihn und seine Gemahlin Tereza Cristina und errichtete ihnen ein Mausuleum (1939). Der Pedro-Kult gipfelte in der Einweihung des Imperialen Museums (Museu Imperial) in den Räumen von Pedros Sommerresidenz in Petropolis, das 1943 eingeweiht wurde.
Im Museum wurden diverse Insignien der Bragancas ausgestellt, aber auch Objekte des 19. Jahrhunderts, die nie in Petropolis in Verwendung waren, sondern von wohlhabenden Familien gesponsert wurden. Museen sind bedeutende Orte nationalen Gedächtnisses und gute Beispiele für Geschichtskonstruktion und die Positionierung von Vargas in der Reihe der Imperatoren (vgl. Williams 2001). Die Nationalisierungspolitik benötigte das Erbe der eigenen Vergangenheit zur Legitimierung brasilianischer Kreativität und Grösse. Unter Vargas wurde 1937 eines der modernsten Denkmalschutzgesetze der damaligen Zeit festgelegt: das Gesetz zum Schutz des nationalen historischen und künstlerischen Erbes (SPHAN). Die Vargas-Regierung restaurierte die Juwele des barocken Katholizismus von Ouro Preto, Diamantina, Mariana und anderen Städten in Minas Gerais. Den Werken des Bildhauermeisters Aleijandinho, eines Autodidakten, der an Lepra litt, wurde besondere Aufmerksamkeit zuteil. Seine Arbeiten wurden aufgenommen, Gipsabdrücke wurden angefertigt und archiviert. Zu den ersten Restaurationsprojekten des SPHAN zählte die Jesuitenreduktion São Miguel in Rio Grande do Sul. |