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Brasilien 1889 - 1985
Von der Ersten Republik bis zum Ende der Militärdiktatur
Dr. Ursula Prutsch
Institut für Geschichte der Universität Wien
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Das republikanische Brasilien

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Am 15. November 1889 wurde in Brasilien die Republik ausgerufen. Die Diskussionen um die Abschaffung der seit 1822 von Portugal unabhängigen brasilianischen Monarchie war eng mit der Abschaffung der Sklaverei als der letzten der Welt auf britischen Druck im Jahr 1888 durch das "Goldene Gesetz" ("Lei Aurea") verbunden.

Der stärker werdende Einfluss der Republikanischen Partei, die Forderung nach einer föderalistischen Verfassung für das geographisch und ökonomisch so heterogene Land und die Überzeugung positivistischer Intellektueller, dass eine Monarchie in der westlichen Hemisphäre nicht mehr zeitgemäß sei und der Modernisierung entgegenstehe, vergrößerten das Widerstandspotential gegen die Krone der Braganças. Kaiser Pedro II. (seit 1831 beziehungsweise nach seiner Mündigkeit seit 1840 an der Macht), dankte am 16. November 1889 ab und ging ins französische Exil. Geistiger Vater der republikanischen Politik war Benjamin Constant (1836-1881), Dozent an der Offiziersakademie und führender Positivist, der 1876 die Positivistische Vereinigung ins Leben gerufen hatte. Die Maximen des Positivismus, die Grundlage der Menschheitsreligion sei die Ordnung und ihr Ziel der Fortschritt, sind in der Flagge Brasiliens (mit den Farben grün und gelb) bis heute mit den Schlagworten Ordem e Progresso (Ordnung und Fortschritt) festgeschrieben. Technischer Fortschritt, Modernisierung, Industrialisierung, ökonomischer Interventionismus, eine starke Exekutive sowie der Einfluss der Militärs in die politische Gestaltung des Staates waren zentrale Elemente positivistischer Politik, die in Brasilien bis 1985 Kontinuität hatten. Im lateinamerikanischen Kontext war Brasilien der Staat, der am stärksten das positivistische französische Credo umzusetzen verstand.

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